Ich weiß gar nicht ob Ihr es wusstet, aber ich war letztens wieder urlaubstechnisch über den großen Teich geschwappt. Tutto Completto – die ganze Familie für über 3 Wochen New-England. Das ist übrigens der Bereich wo als erstes die Ur-einwohner von den Neuankömmlingen über den Tisch gezogen wurden. Wir Europäer brauchen halt Platz. Natürlich bereist der gemeine Tourist diesen Bereich in erste Linie zu einer Jahreszeit die sich „Indian Summer“ nennt. Ein Ausdruck übrigens, den die Amerikaner gar nicht für die bunte Laubfärbung im Herbst verwenden. Das ist halt wieder Europäisch um unsere Bewunderung für die Schönheit dieser Gegend auszudrücken in der die Indianer, oder besser „Native Americans“ so lebten – jedenfalls bevor die Europäer kamen.
Da wir eingefleischte US-Besucher sind, kannten wir die natürlichen Ressourcen die uns ein Überleben in dieser Fremde sicherstellen sollten. Wir haben da so unsere geheimen Tricks und Stellen. Überlebenswichtiges Wissen, das so notwendig ist, wie z.B. die Lage einer Oase bei einer Wüstendurchquerung zu kennen. Der Plan: Frühstücken bei Dennys oder IHOP. Einen lecker Burger zum Mittag : Jack in the Box und zum Diner ins Outback (Steakhouse) usw. Die Vorfreude war groß und was soll ich sagen : Pustekuchen. Nichts von alledem vorhanden. Dunkin’Donuts an jeder Straßenecke und natürlich das allgegenwärtige M, aber keine unserer bevorzugten Nahrungsaufnahmestationen weit und breit . Was ist passiert ? Wo sind unsere Oasen der Ruhe und Völlerei. Ausgewiesen, weggebeamt, zusammen mit den Indianern ausgerottet ? Fragen über Fragen!
Ein weiteres Rätsel übrigens welches wir bis heute nicht aufklären konnten ist Folgendes : Ist es bekannt was den Amerikaner von uns Europäern maßgeblich unterscheidet? Es ist die Art mit Messer und Gabel zu essen. Wenn Europäer zu Tisch sitzen, werden zunächst diese beiden Hilfsmittel gerecht in die zur Verfügung stehenden Hände verteilt und zumeist erst wieder losgelassen wenn der Nahrungsaufnahme-Prozess für beendet erklärt wurde. Zwischendurch wird von der bereitgestellten Nahrung immer ein Stückchen abgeteilt, mit dem umliegenden Füllmaterial angereichert (getunkt, getürmt, etc) und danach in den Mund gesteckt. Und wieder Schneiden, Schieben, Kauen, Schneiden, Schieben, …. etc. Wie gesagt ohne die beiden Werkzeuge für längere Zeit aus der Hand zu legen. Nun, der Amerikaner kennt in erste Linie die Gabel und nur die Gabel. Das Messer wird lediglich als notwendiges Übel zum Zerlegen von z.B. widerspenstigen Grillgut angesehen. Üblicherweise werden auch zunächst Gabel und Messer in die Hand genommen, aber es wird sofort alles Schneidbare in kleine Stückchen zerlegt, um danach panikartig das Messer wieder aus der Hand zu legen. Jetzt erst beginnt die eigentliche Nahrungsaufnahme und zwar ausschließlich unter Zuhilfenahme der Gabel. Das sieht schon ungewöhnlich aus und etwas – ja, wie soll ich sagen – Es erinnert mich an eine Fernsehsendung aus den frühen 80ern. Ich glaube die hieß „Unser Walter“. .. Und noch obskurer wird das Ganze dann, wenn einmal die Entscheidung gereift ist dass bei einer Speise gänzlich auf andere Hilfsmittel als die Gabel verzichtet werden kann. In diesem Falle wird nämlich nur noch gestochert, gehebelt und gedrückt, so das der Tellerinhalt relativ schnell aussieht wie Bagdad nach einem Sonntag mit Bombenstimmung. Woran liegt das ? Sind das Ur-Instinkte die durchbrechen und wir Europäer sind nur zu technikgläubig um sich diesen uralten Riten zu unterwerfen ? Oder braucht der Amerikaner permanent eine freie Hand um den Colt ziehen zu können und um damit irgend einen Schurken-Staat in Schach zu halten ? Fragen über Fragen!
Ich glaube ich werde zukünftig in weniger komplizierte Länder reisen. Zum Beispiel den Iran oder mal in die Türkei.
*Weird Al Yankovic