Es war wieder soweit. Wenn man sich früher wehrlos der Tatsache ausgeliefert sah, das Weihnachten immer so plötzlich kommt – Natürlich mit den entsprechenden Nebenwirkungen wie Schweißperlen und Herzrasen, weil man am 23.12 gegen 22:55 bemerkt das man weder Geschenk, noch den Hauch einer Idee dafür hat – hat sich seit ein paar Jahren ein prima Weihnachts-Frühwarnsystem etabliert, das die Geschenke-Bedenke-Zeit bis zum Ultimo am 24.12 um mindestens 1 Woche verlängert und so selbst den unkreativsten Geschenke-Schenker eine komfortable Zeitspanne verschafft.
Wovon ich spreche ? Die „Nokia Night of the Proms“ kurz NOTP. Hierbei handelt es sich nicht um ein Treffen anonymer Handy-Süchtiger, sondern vielmehr um eine Konzertreihe die sich seit Jahren ständig wachsender Beliebtheit erfreut. Das Konzept: Pop meets Klassik. Das heißt Walzertanzende Hardrocker und Headbangernde Cellistinnen.
Am Donnerstag gegen 20:00 war es dann wieder soweit. Wir sind mittlerweile schon etliche Male dabei gewesen und waren gespannt was die Macher sich für diesen Abend erdacht hatten. Licht aus: Symphonieorchester an. Klassik zu Beginn. Ich weiß nicht wie das Stück hieß, ich nenne es Mal „das Stück bei dem die Instrumente von links nach rechts fliegen und dann anfangen zu brennen“. Der Sound war für die TUI Arena recht ordentlich und das Arrangement des Stückes (Wenn ich als normaler Klassik-Muffel das mal so beurteilen darf) war abwechslungsreich. „Das Stück bei dem die Instrumente von links nach rechts fliegen und dann anfangen zu brennen“ mit der begleitenden überdimensionalen Videoshow bei der Instrumente von links nach rechts fliegen und dann anfangen zu brennen, erinnerte mich ein bisschen daran wie Pink Floyd wohl mit klassischen Instrumenten klingen würden incl. Einer Videoshow bei der „Instrumente von links nach ….“. Danach kam ein weiteres Stück Klassik. Romeo und Juliett mit morbider Videoeinspielung. Ich gehe davon aus, dass das Stück ursprünglich nicht im Programm war und nur aufgenommen wurde um etwas Zeit zu überbrücken. Jetzt muss man wissen, das Ecki, ein Bekannter von uns, für den wir Karten besorgt hatten, in einem Mammut Stau auf der A2 steckte und erst verspätet eintraf. Ein feiner Zug von den NOTP Machern solange eine, wenn auch etwas langweilige Pausenmusik zu spielen, bis alle eingetroffen sind. Dann kam Ecki und das normale Programm konnte weitergehen. Für das nächste Stück kam noch der Chor dazu. Aus dem Boden erschien der vielköpfige Chor der mittels einer Hebebühne hinter dem Orchester hochgefahren wurde. Ich stelle mir den armen Mann vor der an seinem Riesen Drehrad ackert um den ganzen Haufen Singvolk nach oben zu befördern.
Nach den nunmehr drei klassischen Openern war es an der Zeit die ersten Gäste auf die Bühne zu bitten. Mit ein bisschen sakralem Chorgesang zusammen mit Orchester und Riesenchor kamen dann I Muvrini aus Korsika auf die Bühne. Die mir unbekannten Weltmusiker von der Napoleon-Insel schwenkten aber sogleich auf poppigere Klänge um und hatten mit ihrem 2ten Song, der einen Mitmurmel-Refain für das Publikum beinhaltete, gleich die ersten Stimmungspunkte geerntet. Locker flockig mit Dudelsack (bzw. einem Artverwandten Instrument) machten sie ihre Sache nicht schlecht, haben mich aber nicht von Hocker gehauen.
Nach einem unterhaltsamen Klassik-Medley kam dann Mr. NOTP himself auf die Bühne um das erste mal das Publikum richtig aufzumischen. John Miles brachte seine Interpretation des Santana Klassikers Smooth an den Mann. Excellent. Was soll man zu dem Typen sagen, der singt erste Sahne, gibt locker den Carlos auf der Gitarre und am Piano ist er eh eine Klasse für sich. Nebenbei ist er auch noch der „musical director“ der Electric Band der NOTP. Jedenfalls, der Saal steht – wir auch. Meine Frau bemerkt nebenbei, das wir, egal in welches Konzert wir gehen, bei uns sitzen immer die Spaßbremsen. Diesmal die Reihe direkt vor uns. Liegt das an uns oder sind wir nur so unverschämt das wir uns amüsieren wollen für das Geld was wir ausgegeben haben ?!? Fragen über Fragen. Kann natürlich auch sein, das sie auch nur die Schaufenster Dummys in der Reihe vergessen haben, die ja manchmal beim Ausleuchten der Halle oder bei der Kameraeinrichtung gebraucht werden.
Als Nächstes wird Gewalzert. Ein fester Bestandteil der NOTP. Selbst ein alter Rock und Roller wie meiner einer freut sich immer wieder an den Menschen die sich sobald die ersten Töne des Hm-tata, Hm-tata, Hm-tata erklingen, die Beine in die Hand nehmen und mit ihrem Partner die wenigen freien Stellen im Saal betanzen. Es ist schon erstaunlich wie einige Pärchen im Schlusssprung oder Flik-Flak die Absperrungen zum Innenraum überwinden um an die begehrten Bewegungs-Freiräume zu gelangen.
Zeit für einen weiteren Solo-Künstler. Zur NOTP gehört auch immer ein Musiker der ein klassisches Instrument präsentiert (wobei hier eine klassische Stimme auch als Instrument angesehen wird). Dieses Jahr ist es aber die Geige und der Mensch der sie bedient ist Roby Lakatos. Mit seiner lustigen Frisur, seinem drolligen Bart und der Zirkusdirektor-Montur sieht er ein bischen aus wie eine Mischung aus Stimmungs-Achim die Spreegurke und Bernie “Roncalli“Paul. Auf seinem Instrument aber vollzieht er wahrlich Erstaunliches. Die Videopräsentation in Großaufnahme seiner Greifhand bringt es an den Tag: der Flash lebt. Er kann sich zwar nicht mehr in Lichtgeschwindigkeit fortbewegen, aber seine Hände haben noch die alten Fähigkeiten. Das war schon blöd damals als es noch seine alte Geschwindigkeit hatte und noch als privater Postzusteller arbeiten konnte. Die Löhne in der Branche konnten damals nicht mit den explodierenden Kosten für Lebenshaltung mithalten und so musste er seinen Postdienst quittieren. Seitdem hat er seine Füße nicht mehr trainiert und langsam diese Fähigkeit verloren. Was wäre nur gewesen wenn es damals schon den Mindestlohn gegeben hätte ?!? Vielleicht wäre der Welt ein begnadeter Geiger entgangen. Dem ist aber nicht so und so geigt uns dieser Geiger auf der Bühne Einen wie es ein Rudi Ratlos in seinen besten Zeiten nicht vollbracht hätte. Seine Ungarische Herkunft niemals verleugnend spielt er sich zusammen mit dem Orchester durch einen Parkur klassischer Gassenhauer und reißt das Publikum zum zweiten Male an diesem Abend aus der Reserve.
Kennt jemand noch Soulsister – nein, das sind nicht die Nonnen die damals angeführt von Woops Goldberg dem Pabst einen Sister Act geben durften. Nein, nein, nein – völlig falsch.
Hierbei handelt es ich um ein belgisches und männliches (!!!) Duo das Anfang der 90er einige große Hits hatte – so wollte es uns jedenfalls der Moderator weißmachen. Also ich kenne nur einen Hit von denen. Licht aus und fette Gitarre an den Start. Erste Töne – den Hit kenn ich ich nicht. Unsere Freunde auch nicht !!! Egal, die Stimmung ist jedenfalls gut. Der Uptempo Nummer folgt ein weiterer Hit den wieder keiner kennt. Auch egal, es handelt sich um eine Ballade die sehr schön klingt und auch einen tollen Sound hat. Die Beiden verstehen ihr Geschäft und die Stimmung bleibt auf dem gehobenen Niveau. Aber jetzt – und den Hit kennt wirklich Jeder – geht es richtig nach vorne : Pop 1A mit „Way to your heart“ ein All-time Greatest Hit, der letztendlich auch den nachhaltigen Ruhm der Band begründet. Die Stimmung ist auf dem ersten Höhepunkt und jeder weiß was das heißt : —– Pause.
(Fortsetzung folgt)