Eine Pause der üblichen Art. Rush-hour an den Getränkeständen. 25 Minuten anstehen und dann 25 Sekunden für das Getränk bevor man wieder in die Arena gegongt wird. Dieses Ritual gehört halt zu jeder öffentlichen Veranstaltung, so auch zur NOTP .Die folgende Melodie kenne ich auch irgendwo her. Ich bin beeindruckt ob meines klassisch ausgebildeten Musikverständnis
. Die „Diebische Elster“ kommt recht beschwingt daher und offenbart im weiteren Verlauf ein weiteres NOTP Basiselement. Durch die komödiantische Einlage des Percussionisten bekommt dieser Klassiker einen tollen Mitmach-Charakter. Der Mann hat die Massen im Griff, da kann sich Onkel Jürgen noch so manche Scheibe abschneiden. Nach der Show ist vor der Show. „La Diva“ Natalie Choquette kehrt erneut auf die Bühne zurück. Weil sie als Nächstes Liedgut aus Italien vorträgt, ist sie natürlich klassisch gewandet a’la Italienische Mama. Mit Lockenwickler und im Sommerkleidchen trällert sie zunächst „O sole mio“ während sie ihre Hausarbeit verrichtet. Für das nächste Stück „Nessun Dorma“ lässt sie sich vom Moderator erst einmal einen Tisch mit Spagetti und Rotwein eindecken, um dann mit dem Dirigenten des Orchesters ein kleines Gläschen zu löffeln. Die Spagettis werden ebenfalls vertilgt – ach ja nebenbei hat sie ja auch noch gesungen. Gesungen ist vielleicht etwas untertrieben. Teile werden gegurgelt und der letzte Ton der Arie wird nicht etwa ausgesungen, nein, der letzte Ton wird von den senkrecht in den Mund eingeführten Spagetti regelrecht erstickt und zwar im richtigen Timing des Stückes – unglaublich. Was sich bei meiner Beschreibung vielleicht ein bisschen albern anhört, ist in der Tat aber eine beeindruckende Vorstellung, da zu keinem Zeitpunkt der Vortrag irgendwie „verhunzt“ wurde. Der Gesang war trotz allem Trara glasklar und auf den Punkt. Halt völlig unverstaubt präsentiert und mit einem großen Hang zur Selbstironie und mit grandiosem Unterhaltungswert. Genial.
Das Orchester hat jetzt die Bühne wieder für sich allein. Mit dem „Der Säbeltanz“ wird furios weitergerasselt und der hohe Stimmungspegel wird gehalten. Ha, jetzt kommen die ersten Töne auf die ich eigentlich gewartet habe. Zucchero mit „Sensa una donna“ . Als Duettpartner gesellt sich erneut John Miles hinzu. Der kann wirklich Alles und nach dem Stück ist das BäumchenWechselDich noch nicht vorbei. Abgang John Miles, Auftritt Natalie Choquette und Duett mit Zucchero. „Miserere“ eine getragene Ballade bei der die beiden Stimmen sich hervorragend ergänzen. Ich liebe die Spannung von guten Duetten und heute Abend scheint mein Glückstag zu sein.
Orchester und Chor bieten jetzt eine kleine Verschnaufpause bis die nächsten Gäste auf die Bühne kommen. Da es üblich ist auch einen deutschen Gast einzuladen, ist es jetzt an der Zeit dies auf der Bühne umzusetzen. Zu NDW Zeiten dachte ich immer das Lied heißt „Ich will raus“ aber fataler Irrtum. Purple Schulz beginnen ihren Set mit einem dramatisch inszenierten „Sehnsucht“ das sich langsam steigert und dann halt endet wie es alle ahnen mit dem Schrei : „Ich will raus“. Keine Frage, Das hatte damals nicht ohne Grund in den Charts eine hohe Positionierung. Das nächste Stück ist von der neuen CD. Oh-je. Verkaufsveranstaltung. Es kommt wie zu erwarten : Mittelklasse Pop hinter der Zeit. Bemüht, aber Chance vertan. Ich hätte mir lieber die „Verliebten Jungs“ angehört. Das Karnevalsflair dieses Liedes hätte bestimmt mehr Stimmung hinterlassen. Zum Schluß noch ein nettes „Kleine Seen“ und dann ist auch gut. Mit etwas Klassik wird die Stimmung aufgefangen und weitergeführt um dann eine furiose Kehrtwendung zu vollziehen. Die Halle dunkelt sich bei den letzten Tönen ab und man sieht schemenhaft wie einige weiße Instrumententeile auf die Bühne gebracht werden (von Oben, Hinten und Unten) Das Orchester wird leiser und verstummt schließlich ganz. Doch dann beginnt das berühmte Gitarren Intro von „Whatever you want“ und sofort ist der gesamte Saal auf den Beinen. Status Quo kamen, sahen und siegten. Im Orchester wurden bei den Musikern mit langen Haaren sämtliche bändigenden Bänder und Klammern entfernt und hemmungslos im Boogie-Rhythmus gerockt. Ich habe Quo schon öfters live erlebt, aber diese Power habe ich nur bei Konzerten in den ganz frühen 80ern erlebt. Die Band nutzte dann auch die zur Verfügung stehende Zeit um mit den „Best of the Best“ ihres „Best of“ Programms zu klotzen. Selbst ein eingestreutes Lied neueren Datums hielt die Leute bei der Stange. Spaß pur und offensichtlich bei jedem Einzelnen in der Halle . Puuh. Warum haben wir eigentlich Karten auf dem Balkon ?!? Wie sie gekommen sind, so schnell waren sie dann auch wieder verschwunden. Leider lässt das Konzept der NOTP keine Zugaben zu auch wenn sie noch so enthusiastisch vom Publikum gefordert werden. Schade.
Wer aber noch Lust hat mitzusingen, dem kann geholfen werden. Der nächste Meilenstein der NOTP steht an. „Land of hope an glory“ wird angezählt. Wer, wie ich, das Lied nicht kennt, dem wird auf den Leinwänden der Text als riesige Karaoke-Version zugespielt. Also, drücken gibt’s nicht und jetzt aus voller Kehle :…..
Finale : „Hey Jude“ von den Beatles wird als Finale angestimmt und der Text wird auf die bereitstehenden Sänger gerecht verteilt. 2 Dinge fallen mir besonders auf. A.) Emilia vergeigt ihre Passage völlig. Den Text hat sie zwar drauf aber die Töne will sie nicht so recht treffen. Und B.) Natalie Choquette schmettert und improvisiert was das Zeug hält. Das erinnert mich an das Finale von „Live Aid 85″ als Pattie LaBelle, ebenfalls während des Finales, die versammelte Sängerelite in Grund und Boden gesungen hat. Göttlich.
Ein schöner Abend geht zu Ende – Wann ist doch gleich die nächste NOTP ?!?