Band runter von der Bühne – Regen an. Umbaupause.
Bei Ghostbusters heißt es an einer Stelle „Wählt die Gestalt des Zerstörers“ und heraus kam ein überdimensionierter Marshmellow-Mann. Diesmal hatte Gösta gewählt und heraus kam das Böse aus Berlin. 5 kleine Ladies in Black, offensichtlich die unehelichen Kinder von Mortitia Addams schicken sich an ordentlich zu donnern. „Kill her first“ der Name ist Programm, verspricht aber nur scheinbar, das die männlichen Zuhörer zunächst verschont werden. Ich als der Popper der Band kenne mich nicht mit den einzelnen Spielarten des Rock aus, aber das was da getan wurde war schon die härtere Gangart. Der Set beginnt zunächst mit einem Einspieler vom Band der schon zu Beginn die archaische Vorgehensweise des nun Folgenden andeutet. Die Damen sind alle modisch gekleidet in ein Ensemble aus Schwarz und Schwarz, nur unterbrochen von einem weißen Spiralkabel und ein paar imposant blau leuchtenden Ringen. Der Rest ist : heftig. Gitarren, Bass und Drums: volle Kanne und darüber der , ääh, Gesang ?!?. Im Rock hat diese Art der Singerei sicher einen Fachbegriff, den ich aber nicht kenne. Zunächst verhaltene Reaktionen im Publikum, dann aber kristallisieren sich die Anhänger dieser Musik heraus und letztendlich erspielen sich die 5 Hauptstätterinnen ihr Publikum und werden nach einem kurzen aber heftigen Gig noch einmal um Zugaben angegangen. Das Böse hat aber auch einen Vorteil: Der Regen hatte sich versteckt. Es blieb trocken. Das hätte man den olympischen Chinesen vor der Eröffnung ruhig stecken können. Anstatt für teures Geld das ganze Chemie-Gedöns in die Luft zu ballern, hätten auch 2 Stunden „Kill her first“ gereicht um die Veranstaltung trocken durchziehen zu können.
Der Geist der Addams Family hielt aber dann doch nicht lange durch, denn schon beim Umbau zum nächsten Act gingen die Schleusen wieder auf.
Nach den sympathischen Schwestern Dracula kommt jetzt erneut eine weit gereiste Band auf die Bühne : „Eisheilig“ aus dem Pott. Ich halte mich mit Kommentaren hier wohlwollend zurück, denn ich bin negativ vorbelastet. Der Sänger hat nämlich mit Bier um sich geschmissen und die ganze Bühne eingesaut. Mein Kram klebt heute noch. Bäh. Diese amtliche Vorbelastung hätten sie nur mit Musik nach meinem Geschmack wieder wettmachen können, aber dann kommt Rammstein-mäßiges und das ist wahrlich nicht meins. Im Publikum finden sich aber schnell die Fans dieser erneut harten Spielart. Wie man berichtet, sogar einige die später die Organischen Fertigkeiten der Musiker auch noch detaillierter ergründen wollten, aber das nur am Rande. Sicherlich sind hier gute Musiker am Werk, aber Bier zum Schmeißen, geht ja gar nicht. Ach so, ja stimmt, das Ganze ist mit deutschen Texten. Ich muss dann ja auch zum Umziehen und Warmsingen.
Hier trifft sich abseits des Ganzen die nahezu komplette Bande zum kurzen Revue passieren lassen und einstimmen. Schön das Gösta Tag der offenen Tür hat. Wir stellen einhellig fest, das dass Wetter eigentlich viel zu gammelig für das Open Air ist. Trotz der Feuchte haben sich aber dennoch etwa 500 wackere Kirchberger eingefunden, auch wenn sie sich noch unter den Regendächern zusammenrotten und den ganzen Tag über das Rund vor der Bühne etwas zu sehr meiden. Nicht auszudenken was bei tollem Wetter gewesen wäre. Aber egal. Hoffen wir das Beste und ziehen uns unsere neuen Outfits an. Gösta wollte Anzüge und ab jetzt sind die Generäle best be“suited“. Mal sehen ob sich die Runderneuerung auch gelohnt hat. Die Stunde der Wahrheit rückt näher. Noch hört man das ferne Getöse der Eisheiligen Bierspritzer. Es ist also noch Zeit. Gösta kommt als Letzter und versprüht die frohe Botschaft: Es hat aufgehört zu regnen – und was soll ich sagen das blieb dann auch so. Noch letzte Hand anlegen an Krawatte und Sakko. Claus, Rainer und Gösta bändigen ihr Haupthaar und dann geht es langsam aber sicher in Richtung Bühne. Hab ich schon erwähnt, das es nicht mehr regnet ?!? Olli macht die Ansage und , wir können es schon von Ferne beobachten, die anwesenden Besucher haben allesamt ihre Schutzbehausungen und Unterschlüpfe geräumt und sammeln sich als Traube vor der Bühne. Einlauf mit neuem Intro. Ralf darf als Erster und er startet sogleich den Beat. Dann stößt Gösta dazu um auch seinen neuen Aufzug erstmals richtig und Szene zu setzten. Mit fliegenden Haaren eilt Lois’l herbei um dann für Rainer den Rhythmus zu bereiten. Ich darf als Letzter und mit Hut. Ich pose erst mal ein bisschen – was man so als gesetzter Rocker halt noch so posen kann und dann gehen wir Rockwärts in die nächsten 2 Stunden. „Rocking in the free world“ Yep, neu im Programm ist genau die richtige Einstimmung. Unsere Freunde vor der Bühne sind sogleich mit uns und ohne viel BlaBla geht es gleich in „Eye of the Tiger“ und „Black Night“. Hallo Kirchberg. Ich glaube wir sind heute wieder richtig platziert mit unserem kleinen Geschichtsbuch der Rockgeschichte. Nach dem Brett der letzten Bands sehnt sich die Festival-Seele nach einer doppelten Portion bekannter Evergreens mit Showeinlage. Sollen sie haben. Alt Bekanntes aber auch ein paar neue Stücke ergießen sich ins Rund und wie wir es von den Kirchbergern kennen, es wird mitgesungen und mitgetanzt was das Zeug hält . Das Publikum hat Spaß, wir haben Spaß – That’s it. Go for Gold. 2 Stunden Pacour-Ritt vom Rock-Paket (Perfect Stanger), über die Irren Schotten (Look away, Over the hills and far away) bis mitten in die Party-Zone (Fox on the run, Black Betty) geht die Reise und Alle, Alle kommen mit. Zwischendurch ein kleines Geburtstagsständchen (wahrlich gerührt die Kleine) und eine „Juhu wir haben Abi 2008″- Einlage, so vergeht die Zeit im Fluge und bevor ich es vergesse – Es hat nicht mehr geregnet.
Ach ja, Die Anzüge haben sich bewährt. Alle Anderen haben eisern bis zum Schluss die Jacke angelassen. Bei mir war schon nach dem 3ten Stück Feierabend. Hut und Jacke wanderten an den Ständer und die Ärmel wurden hochgekrempelt. Mit anderen Worten die „Gentlemen des Rock“ und ich.
Fazit: 1 Set – 3 Zugaben ; 2 Stunden 15 Minuten Spielzeit; 6 Runden Bier; 2,5 Liter Mineralwasser; 5 Emser Halspastillen).








