Ich muss nicht erwähnen, das dass Ganze natürlich in erster Linie harte Arbeit ist und nichts als harte Arbeit
. Ganz besonders dann, wenn es heißt Instrumental-Einzelunterricht. Und zwar täglich. Und zwar schon um 10:30, was nach einer durch-jazzten Nacht nicht immer einfach zu bewerkstelligen ist. Ich weiß nicht was die Damen und Herren Instrumentalisten so in den jeweils 1,5 Stunden getrieben haben, ich jedenfalls war in der Selbsthilfegruppe „der mehr oder weniger anonymen Sänger“ eingeteilt und das war so:
Erstes Treffen und es stellt sich heraus: Dozentin ist eine ausgebildete Gesangslehrerin und die anderen Sänger/innen allesamt Schüler aus ihrem Vocal Bootcamp. Ausnahme : Ich , also kein Marburger und Autodidakt der ersten Stunde. Klasse, wieder mal kann ich mit Notenunkenntnis glänzen. Soviel zum ersten Eindruck, doch beim näheren Betrachten (ca. nach den ersten 15,6 Schreckmillisekunden), allesamt nette Leute mit Spaß am Singen (Blutsbrüder sozusagen). Sogar das Alien aus dem Harz wurde schnell und freundlich in die Sangesrunde integriert. Außerdem outete sich der 2te anwesende Sänger ebenfalls als Notenanalphabetiker. Ich sage ja Blutsbrüder – Howgh.
Singen nach Tasten, völlig ungewohntes Terrain. Ulla (Dozentin und im Übrigen auch aktive und erfolgreiche Bühnenaktivistin in den unterschiedlichsten Zusammenstellungen) spielt den Ton und wir dürfen Singen. Schult Gehör und Zielsicherheit beim Tönetreffen. Ok. Das geht noch. Jetzt Übungen zum Warmsingen. Sieht für Aussenstehende ein bisschen albern aus, aber wirkt. Kann ich gut gebrauchen, besonders wenn ich in der Rockwelt bei den Generälen wieder 2 Stunden Vollgas geben muss, und das scheint 2009, wenn ich auf den sich aktuell füllenden Terminkalender schaue, auch häufig zu passieren
Aber jetzt liegt Etwas vor mir „Schwarz auf Weiß“ : Scatten für Anfänger. Die ist nichts Unanständiges, es sei denn, ein Instrumentalist denkt , dass der Sänger ihn damit auch noch aus der letzten Domäne der Konzert-Hierarchie verdrängen will : dem Solo. Ja, ein Solo mit dem Mund. Wat, nun? Wat tun ? Aufschluß gibt das geschrieben Wort : „Ba Du Dot, Due ja Due jah Du ……“. Was sich so anhört wie das Jodeldiplom für den angehenden Ex-Tomaner Chorknaben, ist in der Tat eine anerkannte Niederschrift in diesem Bereich und sehr gebräuchlich. … und ätzend schwer in meinen Schädel zu bekommen. Das Ganze gibt sprachlich einen Rhythmus vor, der auch noch entsprechend sauber betont werden will. Dieser über mehrere geschriebene Zeilen, sich permanent verändernde, Zungenbrecher muss dann auch noch in einer Akkordfolge untergebracht werden. Und , wir sind ja 8 Sänger, auch noch schön mehrstimmig. Wat’n Stress.
Nach einigen Sessions hat man das dann endlich halbwegs gefressen und plötzlich heißt es ganz nebenbei: So, und Das machen wir beim Abschlusskonzert und dann darf jeder mal ein Solo machen. Denkt Euch schon mal was Feines aus. „Wie bitte !!!!!! Dankeschön Ulla“ Ich mach ja Alles gerne mit, aber da habe ich ja immer eine kompetent spielende Instrumental-Band im Rücken, bei der ich mich bei Bedarf verstecken kann. Und jetzt ?!? Den Anderen geht es offensichtlich genauso und ein Raunen geht durch die Menge. Letztendlich hat sich unsere Solidargemeinschaft Sangeslust doch noch wehrlos in die Nummer reinquatschen lassen und so nahm das Unheil seinen Lauf.
Fortsetzung folgt immer noch