Archive for the 'Alles Andere als Rock' Category

12
Feb
09

Blues Power – Classic Jazz Workshop Teil 6

Heuer stand etwas mir Bekannteres auf dem Stundenplan : Blues. Zwar gepaart mit Gospel, aber ich fühlte mich thematisch etwas heimischer als im Jazz. Es sollte also auf dem Gewohnten Niveau weitergehen. Wenn mir schon der bisher nicht so geläufige Jazz im Laufe der Woche soviel Spaß bereitet hatte, konnte es mit Blues ja nicht schlechter werden. Angekündigt war ein Blues und Gospelabend  mit einer afroamerikanischen Sängerin namens Angela Brown, begleitet am Piano durch unseren allseits beliebten Seminarorganisator Jan Luley. Der Flyer der im Foyer ausgelegt war, zeigte eine farbige Sängerin von nicht gerade geringem Umfang. Gespannt auf das Kommende nutzte ich die Gelegenheit beim Aufbau der Anlage und beim Soundcheck meine Hilfe anzubieten.  Der Aufbau im Dom, hier sollte das Konzert am Abend stattfinden, war schnell getan. Kleine Anlage, bisschen Licht und fertig. Jan machte sich dann daran sein Piano aufzubauen und hatte extra dafür einen besonders exklusiven Keyboardständer dabei. Zwei Holzböcke aus dem Baumarkt (Stück 1,43 €). Entgegen dieses eher rustikalen Beiwerks, war sein Spiel bereits beim Soundcheck allerdings auf allerhöchstem Niveau. Ein paar Knöpfe hier, ein paar Schalter dort und schon lieferte er, zusammen mit der Beatbox des Keyboards, eine einwandfreie Funky-Einlage, die allerdings die anderen am Aufbau beteiligten Workshop-Teilnehmer, die offensichtlich  reine Jazz-Puristen waren, ein bisschen die Nase rümpfen lies (Hatte ich zumindest den Eindruck). Ich war jedenfalls begeistert. Der Mann kann also auch alles andere al s nur Jazz. Zurück zum Pianoklang war dann die Genre-Welt wieder in Ordnung und die Piano-Licks perlten gewohnt geswingt oder gejazzt aus den Boxen.  Nach 10 Minuten war der Käse gegessen und alles bereitet für den Star des Abends. Ein Poltern war zu hören und auf Stichwort kam Angela durch die Tür. Allein der erste Eindruck, noch im Straßenoutfit, war schon beeindruckend. So stellt man sich eine stimmmächtige Sängerin vor – Klischee. Was aber besonders auffiel, sie unterhielt sich schon bei der Begrüßung in einer Art Singzwischenlage, so das man den Eindruck hatte, sie stimmt sich schon ein oder aber sie sing bereits. Das verstärkte sich nochmals, als sie in den Bereich der Bühne kam, denn dort drehte sie noch einmal auf, als der nebenbei eingeschobene Gesamdsoundcheck gemacht wurde. Die Frau lebt die Musik. Und die Stimme erst …. Ich bin gespannt auf später. Angela verschwindet hinter einer Tür, offensichtlich die Garderobe, und wenig später hört man aus eben dieser Richtung von Ferne ihre Gesangsstimme. „Sie macht sich nur warm“ sagt Jan und wir ziehen uns zurück.

Die Kirche ist gut besucht und Alles wartet auf den Start des Konzertes. Jan legt erst einmal los mit einer etwa 10minütigen Solopassage, wo er mehrere Stücke unterschiedlicher Stile und Geschwindigkeiten miteinander verknüpft und so die Zuschauer auf den Sound des Kommenden einstellt. Klasse , und alles auswendig. Nach kurzer Begrüßung und Anmoderation, ebenfalls durch Jan, betritt Angela das Rund. Was soll ich sagen 1 Person und die Bühne ist voll.  Das meine ich jetzt nicht despektierlich. Nein, es ist mehr auf die allumfassende Ausstrahlung einer Person gemünzt, die sofort alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Und das in diesem Falle besonders wenn sie beginnt zu singen. Im Dialog mit dem Piano geht es durch Singen, Säuseln, Schreien Flüstern, Donnern und Grollen im Einklang mit dem jeweiligen Song. Sehr Golspel-lastig ist die Auswahl, wobei der Blues immer durchblitzt. Was soll ich sagen: dieses Jahr gab es bei der Nokia Night of the Proms einen 14 köpfigen Gospelchor. Angela hat alleine mehr Dampf gemacht als diese 12 Sänger aus Harlem.  Im Eifer des Gefechtes hat sie beispielsweise die Idee ins Publikum zu gehen. Dummerweise ist die Kirche jecht groß und das Mikrofonkabel recht kurz. Es kommt wie es kommen muß: Plopp. Kabel wech, egal, sie singt unbeeindruckt weiter und das Dollste man hört sie immer noch.  Alles in Allem ein mehr als beeinduckendes Beispiel was eine solche Stimme bewirkt und wie man ein Publikum über 2 Stunden im Bann halten kann. Das Zusammenspiel zwischen Jan und Angela erfolgt durch Kopfnicken und Zuhören, was auch notwendig ist, da Angela immer gerne die Rahmen des Songs ausdehnt und sprengt. Ohne Zugabe werden die Beiden nicht von der Bühne gelassen und so geht erneut ein toller Tag zu Ende, bzw. in die Cavete.

Ach ja am nächsten Tag hatten wir noch einmal im Workshop eine 1,5 stündige Session mit Angela Brown und Jan mit dem Thema „Blues zum Anfassen“. Ich saß natürlich in der ersten Reihe, nicht weil ich das Thema wörtlich genommen habe, nein ich wollte die Stimmgewalt aus nächster Nähe erfahren. Und was soll ich sagen. Bei einem Blues hatte sie sich so in Rage gesungen, das die in einem Teil vorkommenden Wörter „Thunder“ und „Lightning“ genauso in diesem Wortsinn ins Publikum  geschmettert wurden. Ich möchte behaupten, das durch den so erzeugten Schalldruck, meine Wangen leicht geflattert haben (Kennt man sonst nur wenn man im Windkanal steht oder beim Sturm an der Nordseeküste). So was will ich auch können, menno.      

 Auf zum Endspurt

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03
Feb
09

Rau aber herzlich – Classic Jazz Workshop Teil 5 (von 7)

Da saßen wir nun wie jeden Abend in der Cavete, aber etwas war Anders. Kein Schlagzeug, kein Bass, kein gar nichts war auf der Bühne. Nur ein Stuhl und ein kleiner Tisch mit Mikro waren aufgebaut. Ich war noch nie bei einer Autorenlesung und schon so gar nicht bei einem Event bei dem ein etwa 70 jähriger für die Performance zuständig sein würde. Ich muss sagen ich war sogar etwas gespannt, denn niemand Geringeres als Fritz Rau würde in wenigen Minuten durch den Saal und auf die Bühne geschlappt kommen um dort Platz zu nehmen.  Ich hatten ihn schon bei seiner Ankunft im Workshop am Nachmittag gesehen und war doch etwas besorgt, ob er denn den Weg zur Bühne schaffen, geschweige denn den Abend auch würde durchziehen können. In der Tat war sein Gang etwas behäbig und er machte auch einen erleichterten Eindruck, als er sich dann auf dem Stuhl vor dem Mikro erfolgreich niedergelassen hatte. Kurze Verschnaufe und dann passierte die seltsame Verwandlung. Eben noch nach Atem ringend geschah etwas Merkwürdiges. Entweder lag es an dem Manuskript, das er  aus der Tasche gezogen und nun in der Hand hielt, also diesen schriftlichen Beweis seiner Taten der als eine Art Zaubertrank-Ersatz die Metarmorphose begünstigte, oder  es lag an der ungeteilten Aufmerksamkeit Aller im Raum die alle Gespräche verstummen ließ. In jedem Fall stand bzw. saß dort ein Fritz Rau, der in eben dieser Sekunde um Jahre verjüngt schien. Mit Blitzen in den Augen erhob er seine Stimme und begann mit folgenden Sätzen: „Ich komme nunmehr zum Ende meines Vortrages.“ Ääh. Mit anderen Worten es kommt jetzt nicht etwas eine fade Geschichte aus der guten alten Zeit, als die Männer noch Männer waren. Nein. Mit diesem Satz leitete er ein ca 70 minütiges Plädoyer für Abenteuerlust, Enthusiasmus, Nonkonfirmität und Eigeninitiative ein, die derart locker vom Hocker daher kam, das sich so mancher Zeitchronist, aber auch Comedian, eine Scheibe abschneiden könnte.

Für denjenigen der mit dem Namen Fritz Rau noch nichts anfangen kann, hier nur eine kleine Erklärung. Ohne diesen netten älteren Mann, wären wahrscheinlich niemals die erfolgreichen Künstlerimporte der letzten Jahrzehnte passiert und auf unseren Konzertbühnen würden sich im schlimmsten Falle immer noch ausschließlich die Heinos, Rudi Schurikes, oder Wildecker Herzkasperl aus heimischer Produktion tummeln (Hölle, Hölle, Hölle !).

Nach der „Entnazifizierung des kleinen HJ Fritze Rau durch den Jazz“ (Original-Zitat F.R.), hat ihn die Liebe genau zu dieser Musik bewogen, DER ERSTE und erfolgreichste Konzert und Festival-Veranstalter Deutschlands, ja Europas, zu werden.  Er hatte sie alle eingepackt und auf unsere Konzertbühnen gestellt. Die Elligtons, die Fitzgeralds, die Armstrongs dieser Welt lösten bei Ihm die Tickets gen Osten. Er war sogar der Erfinder des Re-Import Gedanken und hat mit seinen Europatourneen der Frau Marlene Dietrich das spätere PKW Vertriebsmarketing  revolutioniert. Zeitweise musste die Lufthansa Zusatzschichten schieben nur um den preisgekrönten Jazz-Nachschub in die alte Welt zu karren. Immer mittendrin und Best friend of all, der/das Mastermind Fritz Rau. Lippmann und Rau prangte damals auf den meisten wichtigen Konzertkarten und das über viele, viele Jahrzehnte. Dabei fing alles sehr klein an und genau dieser Beginn war Thema der Erzählungen. Man fühlte sich während des Vortrages, als ob ein guter alter Freund einen Schwank aus der Jugend erzählt und immer, immer wieder flammte der Enthusiasmus für die Musik und die Musiker auf, so dass man auch glauben könnte, er würde am kommenden Tag die Koffer packen und dann zeitgleich die Tourneen von Metallica und dem Glenn Miller Orchestra begleiten. Genregrenzen kennt er nicht. Ob in den Anfängen ausschließlich Jazz,  später Blues und dann Rock vertrieben wurden, egal, Mr.Rau war mittendrin. Lebende Musikhistorie der letzten 60 Jahre. Keiner hat sie so erlebt und keiner kann sie so amüsant erzählen wie Fritz Rau. Übrigens hat er für kommenden Jahres die nächste Story angekündigt. Nämlich als er in England ein paar Gören aus den Umkleideräumen von Muddy Waters entfernen musste. Ich glaube die Bengels hießen Mick Jagger und Keith Richards.

Lang lebe Sir Fritz Rau !!!!   

Noch 2 – Durchhalten !!!!

29
Jan
09

Sing me a Song – Classic Jazz Workshop Teil 4

Ich muss nicht erwähnen, das dass Ganze natürlich in erster Linie harte Arbeit ist und nichts als harte Arbeit :-). Ganz besonders dann, wenn es heißt Instrumental-Einzelunterricht. Und zwar täglich. Und zwar schon um 10:30, was nach einer durch-jazzten Nacht nicht immer einfach zu bewerkstelligen ist.  Ich weiß nicht was die Damen und Herren Instrumentalisten so in den jeweils 1,5 Stunden getrieben haben, ich jedenfalls war in der Selbsthilfegruppe „der mehr oder weniger anonymen Sänger“ eingeteilt und das war so:

Erstes Treffen und es stellt sich heraus:  Dozentin ist eine ausgebildete Gesangslehrerin und die anderen Sänger/innen allesamt Schüler aus ihrem Vocal Bootcamp. Ausnahme : Ich , also kein Marburger und Autodidakt der ersten Stunde. Klasse, wieder mal kann ich mit Notenunkenntnis glänzen. Soviel zum ersten Eindruck, doch beim näheren Betrachten (ca. nach den ersten 15,6 Schreckmillisekunden), allesamt nette Leute mit Spaß am Singen (Blutsbrüder sozusagen). Sogar das Alien aus dem Harz wurde schnell und freundlich in die Sangesrunde integriert. Außerdem outete sich der 2te anwesende Sänger ebenfalls als Notenanalphabetiker. Ich sage ja Blutsbrüder – Howgh. 

Singen nach Tasten, völlig ungewohntes Terrain. Ulla (Dozentin und im Übrigen auch aktive und erfolgreiche Bühnenaktivistin in den unterschiedlichsten Zusammenstellungen) spielt den Ton und wir dürfen Singen. Schult Gehör und Zielsicherheit beim Tönetreffen. Ok. Das geht noch. Jetzt Übungen zum Warmsingen. Sieht für Aussenstehende ein bisschen albern aus, aber wirkt.  Kann ich gut gebrauchen, besonders wenn ich in der Rockwelt bei den Generälen wieder 2 Stunden Vollgas geben muss, und das scheint 2009, wenn ich auf den sich aktuell füllenden Terminkalender schaue, auch häufig zu passieren

Aber jetzt liegt Etwas vor mir „Schwarz auf Weiß“ : Scatten für Anfänger. Die ist nichts Unanständiges, es sei denn, ein Instrumentalist denkt , dass der Sänger ihn damit auch noch aus der letzten Domäne der Konzert-Hierarchie verdrängen will : dem Solo.  Ja, ein Solo mit dem Mund. Wat, nun? Wat tun ? Aufschluß gibt das geschrieben Wort : „Ba Du Dot, Due ja Due jah Du  ……“. Was sich so anhört wie das Jodeldiplom für den angehenden Ex-Tomaner Chorknaben, ist in der Tat eine anerkannte Niederschrift in diesem Bereich und sehr gebräuchlich.  … und ätzend schwer in meinen Schädel zu bekommen. Das Ganze gibt sprachlich einen Rhythmus vor, der auch noch entsprechend sauber betont werden will. Dieser über mehrere geschriebene Zeilen, sich permanent verändernde, Zungenbrecher muss dann auch noch in einer Akkordfolge untergebracht werden. Und , wir sind ja 8 Sänger, auch noch schön mehrstimmig. Wat’n Stress.

Nach einigen Sessions hat man das dann endlich halbwegs gefressen und plötzlich heißt es ganz nebenbei: So, und Das machen wir beim Abschlusskonzert und dann darf jeder mal ein Solo machen. Denkt Euch schon mal was Feines aus. „Wie bitte !!!!!! Dankeschön Ulla“ Ich mach ja Alles gerne mit, aber da habe ich ja immer eine kompetent spielende Instrumental-Band im Rücken, bei der ich mich bei Bedarf verstecken kann. Und jetzt ?!? Den Anderen geht es offensichtlich genauso und ein Raunen geht durch die Menge. Letztendlich hat sich unsere Solidargemeinschaft Sangeslust doch noch wehrlos in die Nummer reinquatschen lassen und so nahm das Unheil seinen Lauf.

 Fortsetzung folgt immer noch

26
Jan
09

Das wird ein Nach-Spiel haben – Workshop Teil 3

Nach dem Gig ist vor dem Gig. Was für Leder-Schubserei gilt, gilt auch für den Mucker im Allgemeinen. Und im Marburger Jazz noch viel mehr, denn direkt nach dem Konzert geht es weiter und zwar zum Jazzen in die „Cavete“. Man hat mir zwar erklärt was „Cavete“ heißt, aber zu dem Zeitpunkt musste ich noch ein paar andere Dinge gedanklich verarbeiten, so das ich die Erklärung schon wieder vergessen habe. Konkret ist das aber ein Ort, an dem jeder, der sich in irgendeiner Form bewogen fühlt, auf die Bühne klettert  und in fröhlicher Runde einen zum Besten gibt. Und das während der kommenden 5 Tage an jedem Abend der laufenden Woche und bis zum Umfallen.

Als wir nun das erste Mal die Herrlichkeiten dieses Jazzer Walhalla betraten, bot sich dann auch ein Bild, dass sich ab sofort jeden Abend wiederholen würde. Ein Raum mit Theke (Nichts ungewöhnliches, der Musiker will ja leben und genießen) und einen weiteren Raum mit einer kleinen Bühne und davor ein Bereich für Anwesende. Ich sage absichtlich nicht Zuhörer, da die meisten dort Ausharrenden nur zum Teil aus Publikum bestand. Der Rest war, deutlich erkennbar an den mehr oder weniger großen Instrumental-Schatullen, offensichtlich in der Warteschleife für die nächste Session Kombination, die alsbald die Bühne erklimmen würde.  Klavier, Kontra-Bass, Gitarrenverstärker und Schlagzeug waren vorhanden und mussten besetzt werden, was dann das immer gleiche Ritual ablaufen ließ, wenn sich mal wieder eine Spontan-Kapelle von der Bühne verabschiedete. Die ersten Mutigen schälten sich aus dem Rund der Anwesenden und besetzten die bevorzugten Instrumente. Dann betrachtete man zunächst die sich eingefundene Gruppe und analysierte die Besetzung. Man stellte  schnell fest, welches der Basis-Instrumente noch verwaist war und der schweifende, suchende Blick in die Runde führte zumeist schnell zu einer Neubesetzung derselben. So, die neue Combo war geboren, jetzt galt es sich auf ein Stück festzulegen. Dies ist anders als bei Rocksession, wo meistens einfach ein Bluesschema genommen, auf dem dann ellenlang rumgeniedelt wird, wobei zumeist dann nur die Gitarristen oder Keyboarder zum Zuge kommen. Im Jazz an sich, geht es darum sich auf einen Standard zu einigen. Dies sind Stücke (1500 an der Zahl), die scheinbar in einer Art Bibel festgelegt sind und auf die man sich immer berufen kann. Die Struktur dieser Stücke besteht oft aus 2 Teilen (manchmal 3) die dann durch Akkorde festgelegt sind. Dieser Katalog der Jazz-Standards hat dann auch keine Noten (Was mir ja eigentlich entgegen kommt) sondern sieht mit seinen Akkordfolgen eher aus wie die Otto-Katalog Version von Käsekästchen  oder eine Art Schülke-tafel für Musiküsse. Egal, jedenfalls sagt einer „Kennt Ihr …..“ und die anderen sagen  „Logo“, oder „Klar“ oder „Ne, wie geht ?!?!“ in letzterem Falle werden dann nur kurz die Akkorde ausgetauscht und der Ablauf, z.B. „A-A-B-A-B“ , dann noch die Tonlage, was dann wieder die Akkorde selbst beeinflusst, und ab geht’s. Was soll ich sagen, spätestens nach dem ersten Durchlauf haut das hin, als ob sie noch nie etwas anderes in dieser Zusammensetzung gespielt hätten. Was ja auch stimmt, eigentlich.

Wenn erst mal die Einheit passt, beginnen die Improvisationen und zwar wird reihum zugeteilt, so dass jeder Mitspieler letztendlich sein Ding machen kann. Sind alle durch, endet das Stück undter großem Beifall der „Zuhörer“ und es beginnt das Ritual aufs Neue. Herrlich mit anzusehen, wie auf diese Art und Weise immer neue Bands entstehen und vergehen. Mal nur Beginner, dann wieder die Barrell-Häuser Profis , die mittlerweile auch nahezu vollständig aufgelaufen sind, aber zumeist eine Mischung aus beiden Lagern und immer mit größtem Spaß am gegenseitigen Zuspielen und Zuhören. Ich glaube hier liegt der Reiz des Jazz, das dass Neuentstehen auf Standards durch diese Neukombination immer spannend ist und bleibt, ob als Spieler oder Zuhörer. Apropos. Ich kann gleich vorweg nehmen, das ich mich alle Abende davor gedrückt habe mitzumischen. Aber nächstes Jahr lasse ich den Feigling in Seesen und werde meine Stimmbänder zum Jam vibrieren, denn den Spaß lasse ich mir nicht noch mal entgehen.

 Fortsetzung folgt.

15
Jan
09

Jazz oder nie – 3 Classic Jazz Workshop in Marburg (Teil 2)

Welch Mammutprogramm für die folgenden 5 Tage. Das wird bestimmt keine Langeweile aufkommen lassen. Zunächst einmal wird in den zusammengestellten Kombos ein Programm von jeweils 2 Stücken einstudiert. Dazu kommen Instrumentalschulungen für die jeweiligen Instrumente/bzw. den Gesang. Dann stehen noch Sonderschulungen für Harmonielehre, Improvisation, Bühnenpräsenz, Gehöhrbildung, Rhythmik, Business, Jazz-geschichte, etc. auf dem Stundenplan. Weiterhin werden noch ein Dozentenkonzert der Barrelhouse Jazzband, ein Blues/Gospel-Konzert mit Angela Brown, eine Lesung von Fritz Rau und natürlich das Abschlusskonzert der Teilnehmer gelistet. Und wer noch nicht kaputt ist findet sich täglich im lokalen Jazz-Club, der „Cavete“ ein, um den geruhsamen Tag bei einem angenehm gekühlten Getränk und Jazz um 4:00 Uhr morgens genauso geruhsam ausklingen zu lassen. Puh, wat’n Stress. Dies ist also die Marschroute die uns am Ende zum Iron-Jazz-Man machen soll. Nach soviel in Massen wird es jetzt erst mal gemütlich und die Ensembles finden sich zum ersten Mal zusammen. Unser Domizil ist im Keller. Das bin ich von Zuhause gewohnt und schon fühl ich mich wohl. Zu meiner Freude haben wir einen Haufen netter Leute zusammen und sogar 2 Mädels sind dabei. Die Besetzung ist zunächst etwas irritierend. Bass, Gitarre, Trompete, Saxofon, Klavier, Klavier, Gesang. Hmm. Eigentümlich. Wir schauen uns an. Aber schon geht die Tür auf und Jan Luley kommt herein. Seines Zeichens Pianist der Barrelhouse Bluesband, Organisator vom Workshop und überhaupt der Kopf hinter Allem was in den nächsten Tagen passieren wird. Völlig unbeeindruckt von der Zusammensetzung „seiner“ Kombo geht er in die Vollen. Kurzes Beschnuppern: „Wer bist Du denn und warum ?“, etc. und schon geht es los. Die Notenblätter werden ausgetauscht. Das für mich einzig verwertbare, der Text, ist Gott sei Dank drauf. Mal sehen wie gut ich mir bei der Herfahrt die Melodie merken konnte. Es gilt noch 2 Fragen zu klären. 1 Klavier und 2 Spieler, d. h. spielt man miteinander oder nacheinander, und wenn zusammen, wer liegt oben, bzw. wer sitzt rechts und wer links. Die Franzi und der HP teilen sich den Schemel und somit ist diese Frage geklärt. Jeder benutzt eine Hand und hat die andere für weitere spontane Dinge frei. Frage 2 : Schlagzeug, woher nehmen wenn nicht da. Eine Kuhglocke und ein Jazz-Besen tun es zunächst auch (Später wird aus dramaturgischen Gründen die Kuhglocke auch mal durch die an der Wand befindlichen Raufasertapete ersetzt) somit haben wir auch eine Lösung für das fehlende Glied der Rhythmusgruppe gefunden. Außerdem will Jan ja auch was zu tun haben. Na dann kann es ja losgehen.

Kurze Abstimmung und Go. Ich bin immer wieder bass erstaunt wie die Kollegen Instrumentalisten aus diesen seltsamen, schwarz-weißen Piktogrammen erkennen können, was zu spielen ist. Das erste Stück ist ein guter alter Swing Klassiker „It had to be you“ , und somit ein etwas langsameres Stück. Die Melodie habe ich halbwegs intus und kann mich so auf den Text konzentrieren. Ich lege meinen ganzen Charme in die Interpretation, aber es scheint niemand mitzubekommen. Na, da muss ich mich aber noch ein bisschen steigern. Die Anwesenheit der Weiblichkeit wird mir in den folgen Tagen dabei helfen den Iglesias in mir Zucker zu geben. Einmal durch zur Orientierung und jeder darf mal solieren, sogar ich, Ähem – Alles mit’m Mund. Soviel also zur Standortbestimmung. Keiner ist wirklich mit sich zufrieden, aber das ist ja auch noch nicht nötig, wir sind ja erst am Anfang. Spaß hat es jedenfalls schon mal gemacht und jetzt ist auch schon Feierabend, weil um 20:00 Uhr das Dozentenkonzert stattfindet, Jan noch aufbauen und sich einstimmen muss und wir noch mal zum Hotel müssen.

So zieht die Karawane dann zunächst auch erst einmal weiter ins Hotel, um dann auf den Punkt wieder zurück zu sein zum ersten Konzert der Woche.   

An now: The Classic Jazz Workshop presents: The Barrelhouse Jazz Band

Da fliegt mir gleich das Blech weg. Ich Banause habe ja sonst unter Jazz immer nur solche Hüte wie „Ice Cream, Juice Cream“ oder irgend ein atonales Geschrammele verbucht, aber was die Herren dort auf der Bühne veranstalteten, das war Spaß pur.  Stücke wie den „New Orleans Blues„ (diesmal sogar mit Gesang) oder andere, mir jetzt nicht weiter namentlich bekannte Stücken, kamen so abwechslungsreich über die Rampe, das der Fuß überhaupt nicht mehr aufhören wollte im Takt zu wippen. Besonderer Schwerpunkt ist bei dieser Art von Musik natürlich das gleichberechtigte Improvisieren aller Instrumente und zwar sorgsam koordiniert, mal durch ein Kopfnicken hier oder ein Augenzwinkern dort. Die Musiker scheinen sich blind zu verstehen und beherrschen ihre Instrumente traumwandlerisch sicher. Ein großer Spaß dabei zuzusehen, besonders dann, wenn einmal etwas Creolisch angehauchte Rythmen abgeschossen werden. Die Besetzung wandelt sich permanent. Mal volles Haus, dann nur das kleine Besteck – immer dem Song und der notwendigen Stimmung förderlich. Toll auch die Einbindung der Gastsängerin Ulla Keller, die auch einmal mit dem Posaunisten Joe Wulf ein Duett anstimmt, das in der Umsetzung nicht nur Klasse Musik, sondern auch humoristisches Entertainment bietet. Nach ca. 1,5 Stunden ist sowohl das Publikum zufrieden, als auch alle anwesenden Workshop Teilnehmer sind der Meinung, das wir in den richtigen Händen sind.

Fortsetzung folgt.

13
Jan
09

A New Year has come – Jazz geht’s los

Was soll ich sagen, ich bin selbst mehr als verwundert über meine Experimentierfreude. Als altgedienter Rockknochen habe ich mich vor geraumer Zeit ohne spürbare Zögerei klammheimlich in eine Swing-Band eingeschlichen und jetzt so früh im Jahr habe ich mich bei einem „Classic Jazz Workshop“ angemeldet. 6 Tage in Marburg veranstaltet von Deutschlands dienstältester Jazzband der „Barrelhouse Jazzband“ aus Frankfurt. Nun wird Swing gerne auch im Umfeld von Jazz und Blues angesiedelt, das war es dann aber auch schon, was mich glauben ließ, hierfür geeignet zu sein. Egal, denn schon als ich den Flyer über die Veranstaltung im Frühherbst 08 in die Hände bekommen habe war mir klar : Das ist Meins.

Erst  nach Anmeldung und Überweisung der Teilnahmegebühr kam mir langsam der Gedanke „Wo haste dich denn Jetzt wieder reinmanövriert ?“ Speziell als ich mir dann irgendwann mal das Kleingedruckte durchgelesen hatte, wo zu lesen stand : „Teilnahmebedingung: Der Teilnehmer sollte in der Lage sein, einfache Arrangements nach Noten zu spielen“, wurde mir etwas deutlicher, das ich mit meiner Fähigkeit ohne fremde Hilfe ein Notenblatt richtig herumzuhalten, nicht unbedingt würde glänzen können. Da mein Umgang mit den schwarzen Linien und Punkten eben nur auf diese eine Fähigkeit beschränkt war, wurde mir etwas mulmig, aber da ich ein unverbesserlicher Optimist bin und immer mit wehenden Fahnen in jedes sich bietende Feuer marschiere, hatte ich diesen Umstand dann auch schon bald wieder verdrängt.

Am 6 Januar hieß es dann Koffer packen. Vorher hatte ich aber schon ein anderes Problem zu meistern. Ich war im Vorfeld bereits einem Ensemble zugeteilt und der Betreuer/Bandleader diese Musikalischen Zusammenschlusses (in diesem Falle auch der Groß Organisator himself) rief mich an und fragte wegen der Songauswahl meinen Stimmumfang ab. Ähem. Ja . Hmmmm. „Von Hoch bis Tief halt“. Klasse Antwort. Da weiß er gleich was für Einer am anderen Ende der Telefonleitung lauert. Mein Geständnis, das ich es nicht so mit Noten habe, wurde mit Stillschweigen kommentiert. Eine erneute Aufnahme des Gespräches von der anderen Seite weckte in mir die Hoffnung das es sich doch noch zum Guten wenden würde und anschließend hatten wir in der kurzen Plauderei einen Konsens gefunden. Ich kannte anschließend das erste Stück von Zweien, die ich dann in dem besagten Ensemble singen sollte.

Auf dem Weg gen Marburg war ich dann auch bemüht, das Stück, was ich glücklicherweise in meinem Musikfundus entdeckt habe, zu verinnerlichen, sprich mir die Melodie einzuprägen, weil, wie gesagt, die schwarzen Kleckse auf dem Papier würden mir hierüber keinen Aufschluss geben.

Nach dem Einchecken im Hotel (Guter Preis dank der Organisation) ging es dann gleich direkt zur Musikschule wo der Workshop stattfinden würde. Der erste Eindruck von Marburg :  Nette Stadt aber wesentlich zu viele Einbahnstraßen, was dazu führte , das ich mich für die kurze Strecke zwischen Hotel und Seminar-Ort bis Samstag nicht getraut hatte ohne Navi zu fahren.

Ein Haufen von Leuten waren schon eingetroffen, die etwas ziellos in den Gängen standen. Nach ca. 2 Minuten orientierungslosem „durch-die-Gegend-Starren“, fingen sogleich die ersten Shake-Hands an, mit folgender Standarderöffnung : „Und was spielst Du ?!?“ danach ein  Stakkato aus „Wo kommst Du her ?“ und „Warst Du schon Mal dabei ?“ und schon war der Small-Talk im Gange.  Gottseidank, alles Mukker, und die sind offensichtlich alle gleich, egal ob Rock, Pop oder Jazz. 

Die offizielle Eröffnung erfolgte dann im großen Saal und der war auch nötig, denn 9 Dozenten und etwa 60 Teilnehmer galt es zu beherbergen.  Eine extrem lockere Einführung in der die organisatorischen Dinge und eine Vorschau auf das Programm der folgenden 5 Tage genannt wurden, gab unmissverständlich die Grundstimmung vor. Obwohl es sich bei den Vorturnern um hoch qualifizierte und anerkannte, ja berühmt, vielleicht berüchtigte Musiker der Jazz Szene handelte, begegnete man sich gemeinsam auf Augenhöhe und das galt sowohl für die Cracks unter den Workshop-Teilnehmern, für die etwas weniger Versierten, als auch für den, der nicht Noten lesen kann.

Fortsetzung folgt. ….




Nächster Gig

Mit General Daniels : ------------------ 23.Mai 09 / Braunlage ---------- 11.Juli 09 / Bornum Rock ----------- 21.August 09 / Harzgerode ------------ 03. Oktober 09 / MC Lahstedt ----------- 28.November 09 / Wir singen zum Advent ----------- =========================== Mit der Crazy Groove Big Band : ------------ 26.April 09 / Aula in Herzberg -------- 05.Juni 09 Osterode ---------- 14.August / Kloster Walkenried ------ 08.11 Herzberg Benefiz

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